St. Pauli Museum

Anlässlich der Eröffnung des Sankt Pauli Museums im Oktober?? 2010 wurden auch die von Olav Wittenberg als benutzbare Dauerinstallation gestalteten Wasch- und Toilettenräume des Hauses eingeweiht. Über die sanitär-philosophische Raumgestaltung informiert eine Tafel im Museum wie folgt:

Olav Wittenberg – Intérieur

Der Hamburger Künstler Olav Wittenberg, bekannt für exquisites Tapeten- und Möbeldesign, gestaltete zwei zentrale Kabinette des Sankt Pauli Museums, in denen er seine wohlüberlegte, an Pop- und Alltagskultur geschulte Collagentechnik en détail auf allen Flächen und Objekten zur vollen Entfaltung bringt. Wenn Sie austreten müssen, dann treten Sie ein. Herzlich willkommen!

Wer nicht denkt, fliegt raus!

Es geht nicht um Interpretation oder die Frage ’Was will mir der Künstler damit sagen?’ Es geht um Sie selbst, das tut es fast immer, auch wenn es um Kunst geht. Verstehen Sie die Kabinette als Anregung Ihren Gedanken und eigenen Assoziationen Raum zu geben. Woher komme ich? Was verbindet mich mit diesem Ort? Wohin gehe ich? Verweilen Sie, wo andere hastig ihren Lippenstift nachziehen. Schauen Sie sich um und lächeln Sie. Überhaupt wird viel zu wenig gelächelt auf St. Pauli.

Wasserrauschen - Bilderfluten

Klug gewählt sind die einzelnen Bestandteile der Raumcollage. Sie stehen für sich selbst, verweisen gleichzeitig auf Unsichtbares und Äußeres oder bringen in Kombination bisher ganz Ungedachtes hervor. Im Intérieur, französisch für ‚das Innere’, verbinden sich Ihre eigenen Gedankenräume mit dem Außen von St. Pauli, während Sie in den inneren Räumen des Museums, öffentlich einer höchst privaten Sache nachgehen.

Was haben Sie mit Lola Montez gemeinsam, die sich im dekorativen Fries verbirgt? Klingt im längst verblassten Lächeln der Anette von Droste-Hülshoff das älteste Gewerbe und seine monetären Aspekte in unmittelbarer Nähe zum Museum an? Sind Knochen und Pistolen nur einfache Vanitassymbole zwischen all der Schaulust oder geht es um Macht und Kampf und die Gestaltung der Zukunft, wie es uns in den Zitaten der Feministin Valerie Solanas begegnet? Mögen angesichts einer imaginierten Vagina dentata sogar die inneren Assoziationshorizonte erschüttert werden, denn schließlich geht es beim Intérieur auch um Ausgeglichenheit, Ruhe, Gutmütigkeit, Nervenstärke, Temperament bisweilen auch um Beißen, Scheuen, Schlagen oder Sprungverweigerung!

Zwischen innerer Harmonie und Haymlichkeit

Olav Wittenberg baut Bilderbrücken. Er verbindet. Dass er weder China, Facebook noch die Elbphilharmonie in seinem Werk thematisiert sei ihm hoch angerechnet. Dass wir an China dennoch nicht vorbeikommen, ist allein der Achse des Bedürfnisses geschuldet, die sich in allen Kulturen als Konstante nachweisen lässt. Denn müssen müssen alle. Und da auch der museale Bildungsauftrag, neben der Aufforderung das eigene Gehirn selbst in die Hand zu nehmen, nicht zu kurz kommen darf, sei nicht unerwähnt, dass im Reich der Mitte der schöne Name „Halle der inneren Harmonie“ gebräuchlich ist, für den Ort, der früher hierzulande verschämt „Haymlichkeit“ genannt wurde.

Wieso? Weshalb? Warum? Wer nicht fragt, bleibt dumm!

Haben Sie Fragen zum soeben Erlebten? Dann stellen Sie sie! Kommen Sie ins Gespräch. Am Stammtisch und im Nähkreis, im Bus auf der Rückreise in die Heimat oder auch unter vier Augen bei einem Glas Grauburgunder. Wo war die Klofrau? Warum hing da ein Geweih an der Decke? Hast Du die kleinen Hunde auf der Tapete gesehen? War das ein Beckenknochen? Waren bei Dir auch Pistolen? Warum gibt es Toiletten für Männer und Frauen? Dieser berühmte Maler, hieß der nicht Michelangelo Sobotta? Einmal im Zeltlager, das war lustig, da haben wir uns witzige Sachen ausgedacht, z.B. Leute, benutzt Klopapier beidseitig, der Erfolg liegt auf der Hand!